Urbanismus arbeitet heute aus einer Position der relativen Ohnmacht. Er analysiert selbstorganisierende Systeme und skizziert politische, wirtschaftliche, organisatorische oder publizistische Strategien um ihr Verhalten zu beeinflussen. Ein solcher Pragmatismus wird oft als “unideologisch” charakterisiert, weil er nicht mehr von klar umrissenen Idealvorstellungen ausgehen kann wie die “top - down” - Planung der Moderne. Ein Städtebau, welcher nicht mehr entwirft, sondern bloss noch “schlummernde Potentiale aktualisiert”, erscheint immun gegen Kritik. Die Ideologie ist jedoch keineswegs aus dem Städtebau verschwunden: sie hat sich bloss in der Mechanik des pragmatischen Projektes versteckt. Planung dient der effizienteren Organisation von Prozessen. Der funktionalistische Städtebau entwickelte sich aus einem breiten Konsens über die Art der anzustrebenden Effizienz. Heutige Planungen, welche auf der Konfiguration von Allianzen zwischen Forderungen und Begierden vieler beruhen, müssen ihre Effizienz dagegen von Fall zu Fall neu erfinden: Strategien, welche unter bestimmten Kriterien betrachtet vollkommen dysfunktional erscheinen, können unter anderen Gesichtspunkten sehr rationell sein. Ökonomische Effizienz ist nicht immer auch technologisch, ökologisch, werbetechnisch oder politisch effizient, zudem schliessen sich lang- und kurzfristige Effizienzen oft gegenseitig aus. Kurzum: die Art seiner Effizienz ist die entscheidende ideologische Wahl des pragmatischen Projektes und damit auch der Angriffspunkt seiner Kritik.
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Publikation: tec 21 20/2002
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